Ausstellung ART ALARM mit Arbeiten von Dieter Krieg | Tatjana Doll | Walter Kütz | Andreas Schulze
ab 18. September 2010
Beachten Sie auch die Arbeiten in der Ausstellung.
Dieter Krieg war 24 Jahre Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und in dieser Eigenschaft auch Lehrer unter anderem von Tatjana Doll und Andreas Schulze. Walter Kütz hat er zwar nicht ausgebildet – Kütz war in der Rinke-Klasse – aber seine Arbeit hat Dieter Krieg immer interessiert und in einem deutlichen Bezug zu seinem Werk gesetzt.
Dieter Krieg, ohne Titel, 2004, Kohle, Acryl, Silikon, Papier, Leinwand, 151 x 311 cm
Ungeachtet dieser Zusammenhänge, zeigt die Ausstellung keine der üblichen Meister-Schüler Abhängigkeiten auf. Hier werden die Arbeiten von vier starken, bei allen Interdependenzen unabhängigen künstlerischen Positionen präsentiert, die im weitesten Sinn der gegenständlichen Kunst zuzuordnen sind. Neben dem Aspekt der Gegenständlichkeit ist ein weiterer Bezugspunkt aller vier Künstler das Konkurrenzverhältnis von Realität und Kunst.
Das Problem der artistischen Realitätsüberbietung hat Dieter Krieg formal wie inhaltlich ausführlich durchexerziert. Die formalen Probleme der Malerei inhaltlich zu lesen, war Dieter Kriegs malerische Lebensaufgabe. Mit der Darstellung alltäglicher Gegenstände, verarbeitet er den bedrängenden Stoff des substantiellen banalen Lebens und zeigt die damit verbundene Dürftigkeit auf, die alles beinhaltet.
Tatjana Doll, PICT_THE GREAT ADVENTURES OF SLICK RICK, 2010, Lack/Leinwand, 220 x 220 cm
Tatjana Doll wählt für ihre Bilder Motive aus, die in ganz besonderem Maß gesellschaftlich kodifiziert sind. Dazu gehören die Bilder von Automarken wie Hummer, Ferrari, Porsche oder Smart, die mit einem Mythos belegt sind oder Piktogramme, die eine klare Ordnungsstruktur der Realitätserfassung vorgeben. Diese Dinge werden von Doll in Malerei übersetzt, die mit den scheinbar kleinen Differenzen in der Motivwiedergabe ganze Erkenntniswelten eröffnen.
Andreas Schulze, Käfer Bulli Sprint, 1998, Acryl, Nessel, 200 × 320 cm
Der Maler Andreas Schulze, dessen eigensinnig autonome Position im Kunstgeschehen wiederholt beschrieben wurde, verwandelt Gegenstände in Kunst, die uns so sehr dem Design, der artifiziell gestalteten Lebenswelt verhaftet scheinen, dass sie gar nicht als mögliche Bilder gedacht werden, indem er ihnen eine weiche Dämonie gibt, die aus Farbauftrag und Bildkomposition herrührt. Die Bilder bleiben in einer beunruhigenden Weise für sich; und sie sprechen eine Sprache, die ihnen nur der Maler Schulze gibt.
Walter Kütz, 1995, Stoff, Leim, Polyurethan, Holz, 30 × 80 × 100 cm
Der Einzelgänger Walter Kütz, zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn ein hoch gerühmter, vielfach mit Preisen ausgezeichneter Künstler, erarbeitet ein Werk abseits der Kunstöffentlichkeit. Im Zentrum dieser Präsentation stehen seine Tierköpfe: aus Lumpen und Polyurethan, aus Anzug und Pigmenten kreiert die Hand des Bildhauers Figuren voller Ähnlichkeit mit einem abgeschlagenen Eselskopf, einem Lamm, einem Schweinskopf: und voller Verblüffung konstatieren wir, dass aus einem Knopfloch ein Auge, aus einer Falte des Mantels die Spur des lebendigen Alters wird.
In dieser Weise also beantworten vier ganz verschiedene, im Innern verwandte und in Beziehung stehende Positionen die Frage nach dem Verhältnis von Realität und Kunst, die eigentlich die Frage nach der Bedeutung von Kunst formuliert und beantwortet.
